Transident

Mein Blog über Transidentität (Transsexualität)

Die Akzeptanz meiner Transidentität

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Nun ist es je nach Umfeld schon ein paar Jahre zurück, seit ich mit mein „Coming Out“ angefangen habe. Seither achte ich mich permanent genau darauf wie die Menschen auf mich reagieren. Gibt es Veränderungen in der Verwandtschaft oder bei den Bekannten? Wie reagieren Fremde auf mich? Solche Fragen stelle ich für mich wie schon erwähnt andauernd.

Trans_Menschen, welche in einem ähnlichen Stadium der Transition sind oder den Schritt noch vor sich haben wird es unter Umständen interessieren zu welchen Beobachtungen ich dabei gekommen bin. Daher habe ich mich entschieden ein Resümee in diesem Beitrag zu ziehen.

Kurz vorneweg: In meinem Umfeld erlebe ich tagtäglich das ganze Spektrum von Akzeptanz, Ignoranz über Arroganz, sich über mich lustig machen oder gar auslachen bis hin zu offenen zur Schau gestellten Transphobien.

Ich versuche das ganze nun in Gruppen aufgrund der sozialen Distanz zu unterteilen. Also Gruppen von von „Verwandtschaft“ bis hin zu „unbekannte Menschen“

 

Verwandtschaft

In der Gruppe der nahen und weiteren Verwandtschaft sind alle über meine Transidentität informiert. Sei dies von mir selbst oder durch andere Verwandte.

Aus dieser Gruppe versuchen mir gegenüber alle mit mehr oder weniger ehrlichen Akzeptanz bis hin zu ehrlichen Versuchen in mich hinein fühlen und verstehen zu wollen.

Die Mitglieder meiner eigenen Familie versucht aufrichtig meine Transidentität zu verstehen und zu begreifen. An dieser Stelle möchte ich es mir nicht nehmen lassen meiner geliebten Ehefrau zu sagen, dass ich Sie über alles liebe! Auch wenn es manchmal für beide nicht leicht ist… Den restlichem Mitgliedern meine Familie möchte ich ganz fest danken und…“Knuddel“!

Meine Mutter gibt sich trotz Ihres fortgeschrittenen Alters sehr viel Mühe zu akzeptieren, dass Sie nun doch nicht zwei Söhne, sondern eigentlich schon immer einen Sohn und eine Tochter hatte. Sie gibt sich auch ganz fest Mühe mich mit meinem weiblichen Vornamen an zureden. Auch wenn ihr das nicht immer gelingt spüre ich, dass auch Sie es versucht wirklich zu verstehen und zu akzeptieren.

Mein Bruder und seine Lebenspartnerin… Nun ja… Mir gegenüber sagt mein Bruder, dass er nicht über meine Transidentität sprechen möchte, weil ihm das ganze grosse Angst mache. Wenn ich nicht dabei bin sagt er ganz klar, dass ich sein Bruder war und immer sein Bruder sein werde. Seine Lebenspartnerin gibt sich sehr aufgeschlossen. Ich fühle aber absolut keine echte Akzeptanz. Er und seine Lebenspartnerin verstehen angeblich auch nicht was ich mir von meiner Geschlechtsangleichenden Operation erwarte. Aber solche Dinge erfahre ich nicht persönlich, sondern immer nur von anderen.

 

Bekanntschaft

Bei den Bekannten erlebe ich schon unterschiedlichere Reaktionen. Die meisten zeigen mehr oder weniger ehrliches Interesse und Akzeptanz. Es gibt aber auch solche bei denen spüre ich Angst. Angst mit mir gesehen und in Verbindung gebracht zu werden. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass der Kontakt mit diesen Bekannten immer weniger wird. Dies ist natürlich vor allem für meine Familie schmerzhaft, welche unter dem Schwund der Bekannten leidet. Ich selbst erlebe so unterschiedliches, dass mich ein solches Verhalten leider nicht mehr erstaunt.

Es gibt solche, die ganz konkret nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, da diese mit Trans_Menschen nicht umgehen können. Solche Reaktionen sind aber eher selten.

 

Berufswelt

Ich gehöre zu den glücklichen Trans_Menschen, welche noch einen Beruf ausführen können. Ich arbeite als Informatikerin und habe durch meinen Berufs bedingt viel Kontakt zu meinen Mitarbeiter_innen sowohl als auch zu den Kunden.

Was mich persönlich überrascht hat sind die Reaktionen der Kunden, welche mit z.T. seit Dekaden kennen. Alle Kunden haben dem neuen Umstand ausnahmslos umgehend Rechnung getragen und sprechen mit meinem neuen Vornamen an, oder begrüssen mich mit „Frau“.

Bei den Mitarbeitern ist es schon ein wenig schwieriger. Auch nach dieser langen Zeit gibt es offenbar äusserst lernresistente, welche mich noch immer mit meinem alten Vornamen ansprechen oder anderen gegenüber von „der Kollege“ oder „der Mitarbeiter“ sprechen oder gar schreiben. Auch gabe es schon Fälle als ich konkret als „Mister“ angesprochen wurde, wogegen ich dann aber insistiert habe… Von Versehen kann in den meisten Fällen leider nicht ausgegangen werden. Es gibt aber auch ganz erfreuliche Erfahrungen mit Mitarbeitern, welche sich von Anfang an wirklich ausgesprochen Mühe geben haben.

 

Mir unbekannte Menschen

Hier ist die Spanne der Reaktionen verständlicherweise am grössten. Dies geht von interessieren und positiv neugierigen Blicken bis hin zu angepöbelt werden.

Und es ist auch erstaunlich wie viele von den „freundlich gesinnten“ den Respekt verlieren und mich automatisch mit „Du“ ansprechen, falls es zu einer Konversation kommt.

Die Tatsache, dass man wie ein exotische Tier im Zoo angeglotzt wird, über einen gesprochen und getuschelt wird oder gar ganz offen über einen gelacht und auf einen gezeigt wird tut aber Tag für Tag einfach nur weh.

Über die Tatsache, dass man manchmal sogar aggressiv angepöbelt wird, so dass ich richtig Angst bekomme, muss ich vermutlich gar nicht weiter eingehen…

Ich bin mittlerweile so weit, dass ich, im Gegensatz zu früher als ich noch ausgesprochen kommunikativ war, heute meinen Blick meistens nur noch Richtung Boden oder Himmel richte um den Blicken der Mitmenschen auszuweichen.

Ich muss mich Tag für Tag ganz fest ermutigen, dass ich meine Hoffnung, endlich ein ganz normales Leben führen zu können, nicht gänzlich verliere! Den dies wäre sehr fatal…

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