Transident

Mein Blog über Transidentität (Transsexualität)

Ist schweigen wirklich immer Gold?

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Wer kennt ihn nicht den Spruch „Reden ist silber, schweigen ist gold“.  Jetzt sitze ich hier an der Tastatur meines Notebooks und hadere genau mit diesem Satz.

Aber ich denke ich fange weiter vorne an, damit meine Gedanken verständlich werden.

In mir gehen so viele Ding vor, die mein CIS Umfeld gar nicht wahrnimmt… Gar nicht wahrnehmen kann, da es so viel ist. In der letzten Zeit ist es meistens sogar für mich selbst viel zu viel… Es ist oft nur noch Schmerz… Fast unerträglicher Schmerz.

Unerträglicher Schmerz und schier endlose Trauer über meine Vergangenheit und über meine Gegenwart. Hinzu kommen trotz meiner lieben Familie eine abgrundtiefe Einsamkeit begleitet von einer Hoffnungslosigkeit über das was die Zukunft bringen wird.

Ich bin ganz alleine mit meinen Gedanken. Ab und an versuche ich mich mit meiner geliebten Frau ganz tief auszutauschen. Diese versucht mir zwar zu folgen. Wirkliches Verständnis zu verlangen wäre aber meinem Umfeld gegenüber auch ausgesprochen unfair. Zu vielfältig sind meine Gedanken, meine Gefühle und Gedankengänge. Hinzu kommt, dass CIS (also genetisch im korrekten Geschlecht geborene) Menschen den Gefühlen und Gedanken von Trans_Menschen (oder vielleicht ist das auch nur bei mir so) vermutlich Situationsbedingt gar nicht folgen können. Wie sollten CIS_Menschen diese unvorstellbare Dissonanz und all das daraus resultierende auch nachempfinden können…

Meine liebe Frau ist der CIS_Mensch, welcher mir mit Abstand am meisten Gefühlen folgen kann, da Sie sich seit Jahren damit beschäftigt. Und ich bin meiner lieben Frau für Zuhören und Ihre Versuche mich zu verstehen endlos dankbar. Aber kann ein Nachfühlen jemals ein Erleben ersetzen? Ich denke zum Glück für meine Frau nicht! Denn dieses Empfinden wünscht man sich nicht einmal dem ärgsten Feind!

Manchmal wünschte ich mir von ganzen Herzen, dass ich all meine Gedanke, Gefühle, einfach alles das Teilen könnte…

Aber es ist für Sie schon so schwer genug die wenigen Gefühle, die ich mit Ihr teile, zu verarbeiten. Und ich bin froh, dass Sie es auf unglaubliche Weise immer wieder schafft dies zu verarbeiten und sich dann anschliessend selbst von all dem abzulenken und genügend zu distanzieren.

Aber trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen meiner lieben Frau gegenüber, da ich Sie schon so genug mit meiner Transidentität belaste.

Und so bin und bleibe ich einfach mit mir selbst und meinen Gedanken alleine. Ganz alleine. So wie es schon immer war…

Ein Kommentar

  1. Liebe Danielle,
    Es ist nicht belastend, wenn Du Dich traust, Dich zu öffnen! Es ist an den Andern zu sagen: „Es reicht mir!“ Glaube mir, es hilft!!! Ich denk an Dich!
    Liebe Grüsse Saionyra

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