Transident

Mein Blog über Transidentität (Transsexualität)

Die Evolution von ICD und DSM: Transsexualismus, Störungen der Geschlechtsidendität, Geschlechtsidentitätsstörung

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Gemäss ICD-10 und DSM-4 sind wir geisteskrank… Ja, wir Transidente sind geisteskrank. Zumindest wenn es nach den beiden aktuellen Klassifikationssystem ICD-10 (ICD, englisch International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) und DSM-4 ein Klassifikationssystem der Psychiatrie (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) geht.

Und um ehrlich zu sein muss man schon psychisch krank sein, wenn man tausende von Franken ausgibt um sich eine psychische Krankheit auch noch per Gutachten bescheinigen zu lassen obwohl mittlerweile bekannt ist, dass Transidentität keine psychiache Krankheit ist …

Aber genau diese Gutachten, mit welchen wir uns selbst zu psychisch kranken stempeln lassen müssen, werden unbedingt benötigt um zum Beispiel den Vornamen zu ändern oder den richtigen Personenstand im Zivilstandsregister eintragen zu lassen. Beides Dinge, welchen bei CIS Personen (das Gegenteil von Trans_Personen) eigentlich schon zu den Geburtsrechten zählt. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass eine CIS Person nicht unkompliziert zum korrekten Nameneintrag kommt, wenn z.B. im Zivilstandsregister ein Schreibfehler unterlaufen ist. Aber bei einem Trans_Mensch gestaltet sich dies bekanntermassen erheblich schwerer.

Trans_Menschen müssen sich ihre Transitentität (Transsexualität) per psychiatrischem Gutachten eine psychische Störung bestätigen lassen um überhaupt die Möglichkeit zu haben den Namen oder den Personenstand ändern lassen zu können.

Der Weg zur eingetragenen Personenstandsänderung ist aber erheblich steiniger und kräfteraubender als „nur“ ein psychiatrisches Gutachten. Aber dazu mehr in einem späteren Beitrag.

Nun aber genug ausgeschweift und zurück zu den beiden Klassifizierungssystemen ICD und DSM.

Die Medizin sowie die Psychiatrie kennt um Krankheitsbilder klassifizieren und einordnen zu können unter anderem eben diese beiden Klassifikationssysteme ICD aktuell in der Version 10 und den DSM aktuell in der Version 4.

Der ICD Katalog ist ein für die Allgemeinmedizin gültiger Katalog, in welchem alle physischen wie auch psychischen Krankheiten kategorisiert sind. Der DSM Katalog hingegen ist ausschliesslich für psychische Erkrankungen gedacht.

Im ICD Katalog ist die Transitentität (noch immer unter dem alten Namen Transsexualität geführt) in der Kategorie der Psychische und Verhaltensstörungen mit dem Code F64.0 untergebracht. Und dort wiederum im Unterkapital der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.

Der ohnehin nur für psychische Störungen geltende Katalog DSM versorgt die Transitentität im Kapitel der Sexuelle Störungen und Störungen der Geschlechtsidentität.

Die Beschreibung in den beiden Klassifikationssystemen sind in der aktuellen Form wie folgt:

ICD-10

F64.0 Transsexualismus

Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

DSM-4

302.85 Gender identity disorder In adolescents or adults

Das ist ja alles schön und gut… Aber warum schreibe ich das alles?

Ganz einfach… Weil Transidentität keine psychische Störung ist!

Aber dank der Arbeit der verschiedenen Trans_Gruppen kann endlich… Ja endlich ein bedeutender Fortschritt verzeichnet werden. Zwar wird im kommenden DSM-V die Transidentität noch immer geführt, aber wenigstens in „Gender Dysphoria“ umbenannt.

Die wesentliche Verbesserung bringt dann auch die neuste Version des ab voraussichtlich 2017 gültigen ICD Katalogs, dem ICD in der Version 11. In diesem neuen ICD-11 Katalog ist der Code F64.0 und F64.2 komplett aus den psychischen Störungen entfernt und im Kapitel der Krankheiten im Zusammenhang mit der Sexuellen Gesundheit untergebracht.

Ich glaube es kaum, dass ich das vielleicht doch noch erleben darf!

Dem Himmel sei Dank! Wenn der ICD-11 in dieser Version 2017 wirklich gültig wird und den ICD-10 ersetzt würden wir Transienten Menschen nicht mehr automatisch als psychisch gestört abgestempelt werden.

Aber bis dahin heisst es wohl Abwarten und Tee trinken…

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