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Personenstandsänderung in Europa – ein Albtraum für Transmenschen

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Transgender Europe (TGEU) macht darauf aufmerksam, dass in 34 Ländern Europas Transmenschen ihren Namen und ihr amtliches Geschlecht nicht ändern können, ohne erniedrigende und missbräuchliche Prozeduren über sich ergehen zu lassen. TGEU fordert deshalb mit einem neuen Video dazu auf, dass die entsprechende Gesetzgebung in Europa endlich angepasst wird.

Das zweiminütige Video von TGEU ( deutsche Untertitel können ausgewählt werden) zeigt das Albtraum-Szenario, das die meisten Transmenschen heute noch durchleben müssen, um ihren Namen und ihr amtliches Geschlecht zu ändern: sie werden zu Sterilisierung, Scheidung oder einer Diagnose von Geisteskrankheit gezwungen – letzteres obwohl sie nicht geistig krank sind.

Aufgrund solch erniedrigendem Prozedere ist es für viele Transmenschen nicht möglich, ihr Geschlecht und ihren Namen rechtlich zu ändern. Das bedeutet, dass ihr Reisepass und andere Dokumente nicht ihrer Identität und ihrem Erscheinungsbild entsprechen, was beispielsweise beim Reisen, der Eröffnung eines Bankkontos oder beim Mieten einer Wohnung zum Problem wird. In solchen Situationen werden Transmenschen zum Coming-out gezwungen, schikaniert, des Betrugs bezichtigt oder Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt.

Es ist deshalb nicht überraschend, dass 73% aller trans Menschen in der EU angeben, dass sie ein besseres Leben führen könnten, wenn es eine bessere Gesetzgebung zur Personenstandsänderung geben würde.
Mehrere Länder haben daher 2014 Gesetzesänderungen durchgeführt oder angekündigt, darunter Dänemark und Malta.

In der Schweiz dagegen gibt es keine Gesetzgebung – statt dessen müssen sich Transmenschen vor Gericht eine rechtliche Namens- und Geschlechtsänderung erkämpfen. Die Bedingungen, die Gerichte dabei stellen, sind unterschiedlich, aber in den meisten Fällen wird ein Nachweis von medizinischen Eingriffen und Unfruchtbarkeit verlangt, teilweise auch Sterilisierung.

Insgesamt ist es in 34 Ländern in Europa für Transmenschen immer noch nicht möglich, eine rechtliche Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität zu erhalten, ohne Auflagen erfüllen zu müssen, die ihre Menschenrechte verletzen, wie der Zwang zu Sterilisierung, Scheidung und psychiatrischer Diagnose.

„Transmenschen haben das Recht, zu allen gesellschaftlichen Bereichen Zutritt zu haben, und wir haben ein Recht auf eine schnelle, transparente und leicht zugängliche Personenstandsänderung“ sagt die Geschäftsführerin von TGEU, Julia Ehrt. „Regierungen in ganz Europa verletzen fortwährend die Rechte von Transmenschen, indem sie an solch unmenschlichen Gewohnheiten festhalten. Transmenschen wird ein Leben in Würde und Respekt verwehrt, solange ihre Dokumente nicht ihrer Geschlechtsidentität entsprechen.“

Quelle: Medienmitteilung von TGEU, 19.2.2015

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