Transident

Mein Blog über Transidentität (Transsexualität)

Liebe ist …

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Viele bestehende Beziehungen von Trans_Menschen gehen gemäss Informationen nach dem „Comming out“ leider in die Brüche.

Auf den ersten Blick betrachtet ist dies eigentlich selbstverständlich, da doch das Gegenüber „plötzlich“ nicht mehr die Person ist, welche man gemeint gekannt zu haben und zu welcher man ursprünglich einmal „Ja“ gesagt hat.

Hmmm… Aber ist dem wirklich so?

Wenn einer der Partner im verlauf der Jahre unzählige Kilos zunimmt und sich einen Bart wachsen lässt. Ist das dann immer noch der gleiche Mensch, zu dem man „ja“ gesagt hat?

Wenn ein Partner oder eine Partnerin sich plötzlich outet und sagt: „Schatz, ich bin Bisexuell! Und ich möchte dies künftig ausleben“ (Ok, ok, so geht natürlich in der Regel kein Outing. Aber es geht ja auch nur darum verschiedene Situationen auf Ihrer  geistigen Leinwand zu malen).  Ist das dann immer noch der gleiche Mensch, zu dem man „ja“ gesagt hat?

Wenn einer der Partner nach einem Burnout oder nach einer Krankheit wie z.B. nach einem Hirnschlag eine andauernde Persönlichkeitsänderungen zeigt, bei der man landläufig sagt: „Ich kenne X nicht wieder“. Ist das dann immer noch der gleiche Mensch, zu dem man „ja“ gesagt hat?

Ich gehe einmal davon aus, dass die meisten hier auf die Frage ob es sich beim Gegenüber noch immer um die gleiche Person handelt mit einem „Ja, klar“ geantwortet haben. Oder beim letzten Punkten sich sogar gedacht haben, dass man hier moralisch ja sogar dazu verpflichtet ist seinem Partner, welchem man ewige Treue geschworen hat, mit aller Kraft in dieser schweren Zeit beizustehen.

Aber sobald ein Mensch sagt: Mein Körper hat das falsche Geschlecht! Ist das offenbar in vielen Fällen nicht mehr der Fall. Es handelt sich dann plötzlich nicht mehr um den gleichen Menschen. Diesen Menschen darf man offenbar verlassen…

Ist dem wirklich so?

Ich denke, dass nebst der Verunsicherung über das was Transidentität ist auch der unbeschreiblich grosse Druck durch das soziale Umfeld eine ganz wesentliche Rolle bei der Tatsache spielt, dass die Transidente Person verlassen wird. Man fürchtet sich davor ebenfalls von Freunden und Bekannten stigmatisiert zu werden. Man flüchtet vor der Stigmatisierung und versucht „seine“ Kinder ebenfalls vor dem drohenden Unheil zu retten. Und dies aus übermächtiger Unsicherheit und Angst.

Einerseits ist dieses Verhalten absolut nachvollziehbar, da es sich dabei ja um einen Urinstinkt handelt sich und seine Familie vor Gefahren in Sicherheit zu bringen.

Aber ist Transidentität tatsächlich etwas vor dem man sich in Sicherheit bringen muss? Oder sollte nicht endlich mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, so dass nicht die meisten an eine weisse Federboa und an Rotlicht denken, wenn sie das Wort „Transsexualität“ hören.

Nun stellt sich mir aber noch immer die Frage: Darf ich meinen geliebten Lebenspartner, mit welchem ich vielleicht sogar schon seit Dekaden zusammen durchs Leben ging aus der eigenen Unwissenheit heraus und aus Angst vor der Unwissenheit Anderer wegwerfen? Wegwerfen und mit seiner Transidentität alleine lassen?

Eines kann ich dem verunsicherten Leser als Gedanke mitgeben: Ja, es war und ist noch immer der gleiche Mensch der vor Ihnen steht! Egal welches Geschlecht dieser Mensch gehabt hat oder körperlich in Zukunft haben wird!

An dieser Stelle möchte ich meiner geliebten Frau, welche trotz meiner Transidentität zu mir steht aus tiefstem Herzen mit folgenden Worten danken: „Ich liebe Dich über alles mein Engel! Von Ewigkeit zu Ewigkeit!“

3 Kommentare

  1. Sehr schöne Worte. Auch ich bin mit meinem Partner(in) seit 15 Jahren verheiratet.Nach seinem CominOut (fzm) war ich nicht mal schockiert sondern viele „Fragen“ wurden mit einmal beantwortet. Wir stehen beide weiter zueinander,denn meine Gefühle ihm gegenüber haben sich nicht geändert. Aber wir sind uns gegenüber auch ehrlich das wir nicht wissen ob alles bleibt wie es ist oder im Verlauf der Anpassung eine Trennung kommen könnte.Aber wir sind bisher guter Dinge (siehe unser Blog)

    • Lieber Marc

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und auch für den Link zu Eurem Blog. Euren Blog werden wir sicher regelmässig besuchen um zu erfahren was es neues bei Euch gibt und vor allem wie es Euch geht!
      Wir wünschen Dir und Mike von Herzen für die Zukunft viel Kraft, Ausdauer, Selbstvertrauen, Mut und vor allem… Viel Liebe! Passt auf Euch auf.

      Ganz liebe Grüsse,
      Danielle

  2. Partnerschaft und Transidentität verläuft bei mir persönlich ganz außergewöhnlich.Bin 38 Jahre“männlich“und lebe in langjähriger Beziehung mit einer wesentlich älteren Frau.lch habe meine Partnerin ganz behutsam an das Thema herangeführt.Wenn man sich entschieden hat für immer zusammen zu bleiben,finde ich müssen es doch nicht radikale Veränderungen sein.Man hat sich an vieles gewöhnt und meine Lebenserfahrung als Mann,die wird immer bleiben.Ich habe mit meiner Freundin einen Kompromiss gefunden indem ich gelegentlich als Transvestit ausgehe,wobei sie sogar mitgeht.lm Gegenzug bleibe ich der Mann den sie kennengelernt hat und mal ehrlich,wenn man sich lange kennt bringt es doch auch nicht viel,wenn ich mich plötzlich umoperieren lasse.Hauptsache ist man hat einen gut funktionierendes Sexleben und das hatten doch die meisten als sie ihren Partner kennengelernt haben.Meine Freundin zieht sogar Vergleiche zwischen mir und meinem zweiten Ich und ist sogar ein bisschen stolz zu zeigen,was sie für einen wandlungsfähigen Mann hat.Meine Freunde verlieren auf diese Art auch nicht was sie mal kannten.Sie sagen jetzt,ah heute bist du wieder mal Frau.Zugegeben um einen perfekten Transvestit abzugeben,braucht es sehr viel Zeit fürs Styling,das ist manchmal lästig.

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