Transident

Mein Blog über Transidentität (Transsexualität)

Fünfzehn Punkte, welche mich mit meiner Geschlechts Dysphorie am häufigsten beschäftigen

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Über folgenden Beitrag dieser Top 10 Liste bin ich per Zufall bei einer meiner Recherchen gestossen.

Ich habe mich davon inspirieren lassen und ebenfalls eine eigene, ganz persönliche Top 15 Liste erstellt.

Dies Liste ist eine Momentaufnahme, welche schon in ein paar Wochen andere Punkte beinhalten würde. Es ist auch so, dass ich ganz wesentliche Punkte in meiner Top 15 List absichtlich nicht aufgeführt habe, welche für mich aktuell ebenso wichtig wie die aufgeführten Punkte sind sind. Aber ich möchte vielleicht auf diese nicht aufgeführten Punkte aktuell aus einem  bestimmten Grund nicht eingehen…

Diese Top 15 Liste soll eine Mischung aus ganz ernsten Themen sein, welche ich versuche so aufzuarbeiten, dass der geneigte Leser vielleicht ab dem Sarkasmus oder der Ironie zu schmunzeln vermag.

Also viel Spass beim Lesen… 🙂

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15.  Von Toleranz umzingelt

Die Zeit meines „Comming outs“ liegt zwar schon eine Weile zurück, aber auch heute noch begegne ich Menschen, denen ich noch nicht von meiner Transidentität erzählt habe. Im Verlaufe der Zeit hat sich auch zu diesen Antworten und Reaktionen eine eigene Top 5 Liste herauskristallisiert. Ich werde diese aber in einem eigenen Beitrag behandeln… 🙂 Die häufigste „eigentlich lieb gemeinte“ aber doch verletzendste Antwort, welche ich immer wieder höre ist: „Ich habe kein Problem damit. Ich bin Tolerant.“ Aha… Schön. Denke ich mir dann immer. Weshalb muss mein Gegenüber Tolerant sein? Habe ich der Person irgend etwas gesagt, dass ihr Toleranz abverlangt? Ich habe nur gesagt, dass ich Transident bin. Hätte er mir auch gesagt, dass er Tolerant ist, wenn ich ihm gesagt hätte, dass ich ein anderes Krankheitsbild habe, z.B. einen gebrochenen Finger? Ich stelle mir diesen Dialog dann in etwa so vor: „He, ich habe einen gebrochenen Finger…“ Daraufhin das Gegenüber: „Damit habe ich kein Problem… Ich bin Tolerant!„. Wenn jemand antwortet, dass er tolerant ist impliziert dies doch automatisch, dass das ganze Toleranz verlangt, da es z.B. in diesem Fall etwas für Ihn anrüchiges ist.

Weshalb hast Du ein Problem damit? Sei froh, dass das Gegenüber tolerant war und Du nicht eine der 1500 Transidenten bist, die von irgendwelchen Transphobikern um die Ecke gebracht worden sind.

 

14.  Das Bedürfnis der „Selbstmedikation“ ist fast übermächtig gross

Viele jugendliche wie auch erwachsene Transidente greifen leider zu Medikamenten, welche sie aus dubiosen Quellen über das Internet bezogen haben. Die Angst vor z.B. dem Alltagstest, der Inkompetenz der jeweiligen lokalen Arbeitsgruppen oder die Ohnmacht vor Dauer bis man endlich legal die nötigen Medikamente bekommt ist so gross, dass der Weg der illegalen Medikamentenbeschaffung leider viel zu oft gegangen wird. Einerseits ist dies sehr gefährlich, da auch die lebenswichtigen Laborkontrollen nicht durchgeführt werden und es so fast zwangsläufig zu einer falschen Medikation kommt, welche zu gravierenden gesundheitlichen Problemen oder gar dem Tod enden können. Andrerseits sind diese illegal bezogenen Medikamente meist irgendwelche „Kopien“, welche im optimalsten Fall kein Wirkstoff enthalten. Der Wirkstoff kann aber bei solchen „Kopien“ viel zu hoch sein, oder das Medikament kam gar irgendwelche Giftstoffe enthalten, welche ebenfalls zu gravierenden gesundheitlichen Problemen oder erneut gar dem Tod enden können. Dabei müsste eine unkomplizierte Hilfestellung unbedingt aus dem  Umfeld der Medizin kommen und Transidenten Menschen endlich die Möglichkeit der unkompliziert Transition zu geben. Sei dies nun in Form einer Hormonersatztherapie oder eine Geschlechtsangleichende Operation. Egal in welchem Alter, Hautfarbe und Religion… Bitte hört endlich auf uns wie Geisteskranke zu behandeln!

Also einmal halb lang… Wer tausende von Schweizer Franken für ein Gutachten ausgibt, welches bestätigen soll, dass man psychisch krank ist, der ist definitiv Geisteskrank.

 

13.  Nicht ansatzweise hübsch genug zu sein um von anderen als Frau gesehen zu werden

Meine Jogging trainierten Beine haben eine sehr ansehnliche Form und lassen sich auch sehr gut unterschiedlich einkleiden. Auch habe ich einiges an Unterwäsche, welche meinem Körper ein akzeptable Form geben. Aber vom Nacken an aufwärts habe ich das äussere von Dustin Hoffman. Auch wenn ich noch so viel Makeup auftrage kann ich den Schaden, welche das Testosteron in über dreissig Jahren auf diesem Planeten an meinem Körper angerichtet hat, nicht ansatzweise kaschieren.

Gib es einfach auf… Du bist einfach nur hässlich!

 

12.  Lernresistenz des näheren Umfelds

Auch nach Jahren des „comming outs“ sprechen mich einzelne äusserst lernresistente Kollegen, Kolleginnen, ja z.T. sogar nahe verwandte noch immer als „Er“ oder mit meinem alten Vornamen an! Ich kann es nicht mehr hören! Und trotzdem versuche ich immer wieder freundlich zu lächeln und diese Lernresistenz zu ignorieren. Im inneren tut es aber einfach Weh. Es ist für mich jedes mal wie eine Ohrfeige. Einerseits der Umstand, dass diesen Menschen meine Transidentität offenbar gänzlich egal ist. Ich versuche jedes mal diesen Menschen keine Absicht zu unterstellen. Andererseits erinnert es mich auch jedes mal schmerzhaft daran, dass ich ein Krüppel mit einem Genschaden bin! Als würde es nicht reichen da mir dies jeder Spiegel zu sagen versucht, in welchen ich blicke…

Deine lieben Angehörigen bestätigen Dir doch aber so oft, wie gut Du aussiehst. Und es wir Dir noch so lange unter die Nase gerieben, dass Dich ein fast Blinder bei dichtem Nebel und in der Dunkelheit aus 20 Meter Entfernung von hinten gesehen als „Frau“ bezeichnet hat. Freue Dich doch darüber!

 

11.  Noch immer nicht so Kleiden wie man eigentlich möchte und einem darum ist

Ich habe in meinem Kleiderschrank wunderschöne Kleider. Leider kann diese aber ausser Zuhause vor dem Spiegel noch nicht anziehen, da diese nicht zu meinem Bartschatten oder zu meinen ausgesprochen prägnanten Unterkieferknochen passen… Und noch mehr träume ich von wunderschönen Kleidern, welche ich mir nicht zu kaufen wage…

Sei doch froh, dass Du nicht mehr reine Männerkleider anziehen musst! Was jammerst Du nun schon wieder herum? Andere haben gar nichts anzuziehen.

 

10.  Nicht in der Lage zu sein über das zu sprechen was einen am meisten beschäftigt

Ängste und Probleme über welche man spricht können sich so verflüchtigen. Wohingegen solche Ängste und Probleme über die man nicht spricht einen langsam bei lebendigem Leib von innen heraus auffressen und einen aufzehren…

Einmal abgesehen davon ist es ja nicht so, dass Du der einzige mit Problemen bist. Alle kümmern sich um ihren eigenen Mist. Was sollte Dir also das Recht geben deinen Mist bei anderen abzuladen? Also halt einfach den Mund und kümmere Dich selbst um deine Problem. So wie es alle anderen auch tun.

 

9.  Die permanente Angst davor wie das Resultat sein wird, solange man sich in der Transition befindet

Wie wird das Resultat der Hormonersatztherapie sein? Wie gut verläuft die Geschlechtsangleichende Operation? Werde ich endlich irgend wann ein normales Leben führen können oder werde ich nach all den Massnahmen einfach nur zum Freak, zum allgemeinen Gespött werden? Wird das jemals gut kommen? Bitte lieber Gott… Schenke mir doch endlich ein normales Leben… Oder sonst einfach nur Frieden!

Was willst Du mehr? Selbst jetzt da Du endlich die lang ersehnten Medikamente bekommst bist Du schon wieder am jammern?

 

8.  Von Weiblichkeit umgeben zu sein ist deprimierend und kostet unglaublich viel Kraft

Frauen sind überall wohin man geht. Sie laufen während der Arbeit an Dir vorbei, oder man geht einkaufen im Einkaufszentrum, in der Stadt. Sie schauen Dich auch von den Titelseiten der Magazine und den Fernsehbildschirmen an. Es ist wunderbar Frauen zu sehen. Aber zugleich ist es eine wahnsinnige Qual, da man permanent an seine eigene Transidentität und Körper erinnert wird.

Warum? Warum lieber Gott? Warum durfte ich nicht auch einen solchen Körper bekommen? Warum darf ich nicht wie sie sein? Was in aller Welt habe ich getan? Warum? Warum lieber Gott?

 

7.  Zu wissen nie ein Teil der Frauengemeinschaft zu sein

Auch wenn man noch so gerne möchte wird man sich nie ganz normal und selbstverständlich in einer Frauengemeinschaft bewegen können. Entweder wird es falsch verstanden. So gibt es Frauen, welche sich durch die Gegenwart einer Trans_Frau oder durch einen offensichtlichen Mann (je nachdem wo man sich in der Transition befindet) belästigt fühlen, was verständlicherweise für beide sehr unangenehm ist. Im besten Fall wird bei einem Hinzukommen zu einer Frauengruppe einfach das Thema gewechselt, so dass es auch für „nicht Frauen“ konform ist. Aber genau das will man ja nicht. Man möchte ja genau wie alle anderen auch einfach ein Teil davon sein.

Was bilde ich mir auch ein! Die Frauen verstehen ja nicht ansatzweise was in Dir vorgeht und das Du nicht das bist was sie zu sehen glauben. Bildest Du Dir ein, dass Du in einem kurzen schwarzen zu einer Partys eingeladen wirst?

 

6.  Fremdbestimmung überall

Egal was man für einen Schritt unternehmen möchte. Selbst als diagnostizierte Transidente brauche ich immer und immer wieder Gutachten und wieder ein Gutachten und Bewilligungen und Bestätigungen… und … und … und … Bis man entweder keine Nerven mehr hat und in die Klappsmühle kommt oder einem das Geld ausgegangen ist. Und das gesetzliche Wirrwarr und die mögliche schwammige Interpretation desselben hier in der Schweiz machen es auch nicht einfacher.

Das gleiche Gesetz gilt doch für uns alle. Weshalb beklagst ausgerechnet Du Dich wieder? Sei doch froh, dass Du endlich Deinen Vornamen ändern durftest!

 

5.  Zum Allgemeingut zu werden kann äusserst Schmerzhaft sein

Seit ich in der Transition und mich auch entsprechend, wenn auch dezent weiblich kleide, hat das ganze Umfeld offenbar das Recht sich öffentlich über mich lustig zu machen, auf mich zu zeigen. oder nach belieben zu beschimpfen oder gar anzupöbeln. Weshalb muss ich nebst den Schmerzen durch mein falsches körperliches Geschlecht nun auch noch diese öffentlichen Demütigungen über mich ergehen lassen, so dass ich oft abends nur noch im Bett liege und weine? Weshalb bin ich plötzlich von einem respektiertem Menschen zum Allgemeingut geworden über das man sich in aller Öffentlichkeit ohne Scham lustig machen darf. Und die Reaktionen der Mitmenschen ist nicht etwa so, dass diese entsetzt über den Hohn wären, sondern stimmen gar in das heitere Treiben mit ein.

Was hast Du erwartet? dass Du jemals als eine Frau akzeptiert wirst? Träum Du weiter!

 

4.  Sich permanent als eine Missgeburt der Natur zu fühlen

„Kaputt“, „genetisch Kaputt“ sind die besten Wort um mich selbst zu beschreiben. Und ich bin mir dessen vom Morgen früh bis am späten Abend, Tag für Tag, Jahr für Jahr mehr als nur schmerzhaft bewusst. Aber ich kann und will nicht mein ganzes Leben Antidepressiva schlucken! Wann nimmt uns die Gesellschaft und die Medizin endlich die unendlich hoch erscheinenden Hürden aus dem Weg der Transidenten Menschen. Wie viele von uns müssen noch Suizid begehen, bis es endlich unkomplizierte und wirklich hilfreiche Lösungen gibt?

Was willst Du? Mach doch einfach den Alltagstest und laufe mit Bartschatten im Mini und Pumps durch die Gegend und mach Dich noch mehr zum Gespött der anderen als es ohnehin schon der Fall ist! Aber hör doch endlich auf zu jammern!

 

3.  Trotz der Transition noch keine Normalität in Sicht

Die ganzen Schritte der Transition laufen nun schon seit einiger Zeit. Aber noch immer ist so etwas wie endlich ein normales Leben führen zu dürfen in weiter Ferne. Durch den Umstand, dass man weder Fisch noch Vogel ist erschwert die ganze Situation noch mehr, so dass man das Gefühl hat, als wäre man noch viel weiter von einem Stück Normalität entfernt als jemals zuvor!

Habe doch Geduld! Und keine Angst. Du wirst an diesem Umstand nicht zerbrechen. Die Pharma Industrie hat auch für Deine Depressionen die geeigneten Mittelchen. Auch wenn Du diese im Moment noch nicht möchtest…

 

2.  Dinge, welche für genetische Frauen in der Regel normal sind wirst Du niemals erleben können

Dinge wie mit Freundinnen shoppen gehen, die ersten Schminkerfahrungen sammeln, die ersten Romanzen erleben bis hin zu solchen Dingen wie schwanger werden. Dies und unzählige weitere Dinge sind und bleiben einem als Trans_Frau für immer verwehrt.

Du hattest doch ein glückliche Jugend als Junge… Nur weil Dein Körper ein Geschlecht hatte, welches nicht zu dem Deiner Seele passt und Du deshalb Dein ganzes Leben, welches Du eigentlich haben solltest verpasst hast. Das ist doch nur halb so schlimm…

 

1.  Zu wissen, dass Dein Körper nie, nie, aber auch wirklich niemals der einer genetische Frau sein wird

Was gibt es dazu noch mehr zu sagen…

 

(Anmerkung: Das Bild oben im Beitrag wurde entlehnt von der Seite Hyperbole and a Half  und ist von Allie Brosh)

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  1. Pingback: Top 5 der Antworten und Reaktionen beim “Comming out” | Transident

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